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DAS ERDBEBEN VON 1887

Am ersten Tag der Fastenzeit, um 6:25 Uhr, begann die große Pfarrkirche, in der die Gläubigen gerade das Heilige Sakrament empfingen, unter den ersten Erdstößen zu beben. Sie warf ihre goldfarbenen Stuckbrösel, Wandgemälde und Heiligenfiguren aus Holz und Gips auf die schläfrigen Frommen. Grell mischten sich die Schreie und klagenden Rufe der Verletzten und ihrer Angehörigen mit dem Geknister und Geprassel des ehrwürdigen Gemäuers.

Die Stimme des Pfarrers versuchte die eingeschüchterten Lämmer zu beruhigen, die Schutz unter den seitlichen Arkaden suchten und auch fanden.

Alles drohte im Höllenlärm des Mörtelschuttes und staubgesättigter Luft zu versinken. In der Tat, mit dem zweiten teuflischen Beben brach der große Bogen des zentralen Schiffes und begrub die drei Personen, die noch nicht eilig genug Schutz gesucht hatten.

Andere blieben eingekerkert unter den Trümmern ihrer Häuser, im Schlaf, oder beschäfftigt mit mäßiger Speise vor alltäglichem Arbeitsbeginn, überrascht. Kaum war die Bestürzung überwunden, als die Verschonten mit der Suche nach vermißten Freunden und Verwandten begannen. Sie gruben nach Verwundeten in den Trümmern und versuchten ihnen zu helfen.

Aber das Unglück gab sich noch nicht zufrieden und entlud nochmals seine Wut. Um etwa 9 Uhr tobte ein neuer schwerer Erdstoß, der vieles wieder begrub, was eben erst freigelegt worden war.

Viele Opfer wurden so ein zweites Mal, manche für immer, begraben. In den Chroniken der Epoche können wir über rührende und dramatische Episoden lesen. Wie viele junge Menschen im schönsten Lebensalter gestorben sind oder Mütter, die unter Bedrohung des eigenen Lebens, versuchten ihre Kinder zu befreien. Einige der lebendig Verschütteten wurden erst nach fünfzig Stunden, der Finsternis und Hoffnungslosigkeit, gerettet. Nach 27 Tagen wurde noch ein lebender Hund unter den Trümmern gefunden.

Der ans Schloß angrenzende und dichtest bewohnte, obere Teil des Dorfes, "Le Rocche" genannt, war am zerstörtesten.

Die etwa 1000 vom Hunger gequälten, arbeitsamen Bewohner lebten nun auch noch in Angst vor Seuchen. Hilfe kam nur verzögert von außen, da die damaligen Nachrichtenverbindungen langsam und ungenau waren und außerdem Bussana nicht die einzige Bebenstätte in Ligurien war. Der rührige Pfarrer Don Lombardo half seiner so hart getroffenen Gemeinde in absolut beispielhafter Weise. Er warb um die benötigte Hilfe bei zivilen und religiösen Autoritäten.

Auf Abbildungen aus dieser Zeit kann man die Baracken und Zelte erkennen, die für die Geschädigten sieben Jahre lang ein kärgliches Heim boten. Danach begannen sie unten an der Via Aurelia einen neuen Ort aufzubauen. Der Staat und viele fremde Länder beteiligten sich mit finanzieller Unterstützung am Wiederaufbau der vom Erdbeben zerstörten, beachtlich großen, Zone der Provinzen Genua, Savona, Porto Maurizio und Cuneo in Italien sowie Nizza mit Umgebung in Frankreich.


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